Tanuki wegen Trunkenheit verhaftet

Tanuki wegen Trunkenheit verhaftet

Tokyo. In Asakusa, Tokyo, wurde am Dienstag Nachmittag ein Tanuki von der Polizei festgenommen. Laut Zeugenaussagen durchwühlte der stark angetrunkene Marderhund diverse Vorgärten in der Gegend auf der vergeblichen Suche nach Sake (Reiswein), nachdem er sein eigenes 25-Liter-Fass bereits ausgetrunken hatte.

Frustriert und zudem stark angetrunken war er daraufhin zum Sensō-Tempel gelaufen. Dort passierte er das berühmte Eingangstor Kaminarimon und demolierte ein Souvenirgeschäft, indem er sein leeres Fass durch dessen Schaufenster warf. Es entsand ein Sachsschaden in Höhe von 2,3 Millionen Yen, verletzt wurde niemand.

Laut Polizeibericht schweigt der Tanuki bislang  zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Nachdem das tokyoter Regionalbüro der Vereinigung für die Rechte der Dachse, Füchse und Tanuki eine nicht genannte Summe als Kaution hinterlegt hatte, wurde er nach 48 Stunden aus der Haft entlassen.

Aus Protest gegen die seiner Ansicht nach ungerechtfertigte Festnahme verkündete er daraufhin, nun still und reglos wie eine Statue vor einem nahe gelegenen Spirituosengeschäft zu verharren. Mehrere Anwohner demonstrierten ihre Solidarität mit dem Freigelassenen. Sie stellten Blumentöpfe neben ihm auf und versorgten ihn mit Sake sowie diversen Lieblingsgerichten der Tanuki.

Japans Marderhunde gerieten in der Vergangenheit bereits häufig in Konflikt mit der Staatsmacht. Ihr Lebensraum in Wald und Feld wird durch Rodungen und die forcierte Schaffung von Bauland bedroht, was viele von ihnen eine neue Heimat in den Städten suchen lässt. Der Regisseur Isao Takahata widmete sich der Problematik in seinem bekannten Film Pom Poko.

Solange sie sich nicht bedroht fühlen, sind Tanuki in der Regel sehr umgänglich. Sie schlafen gerne lang und lieben den Sake, dem sie besonders auf ihren häufig veranstalteten, rauschenden Festen unter freiem Himmel frönen. Immer wieder geraten sie jedoch mit städtischen Spirituosenhändlern aneinander, die ihr bevorzugtes Zahlungsmittel – Blätter diverser Waldbäume – nicht annehmen wollen. Außerdem können die Marderhunde kurzzeitig ihre Gestalt wechseln und sich etwa in einen Menschen verwandeln. Sie lieben es, auf diese Weise verlorenen Wanderer oder durch Japans Wälder flanierende Touristen in die Irre zu führen. Allerdings belassen sie es dabei, im Gegensatz zu den ebenfalls gestaltwandelnden Füchsen, bei meist harmlosen Scherzen. (Tanuki Republic)

 

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