Straßenkampf und Milchkaffee – Japans Neue Linke

Straßenkampf und Milchkaffee – Japans Neue Linke

Die 1968er-Bewegung in Japan wird heute oft als abgeschlossenes Kapitel betrachtet. Dennoch bleibt ihr Erbe lebendig. Etliche ihrer TeilnehmerInnen und von ihren Ideen beeinflusste junge AktivistInnen kämpfen noch immer für ein Leben unter ganz anderen Sternen. (Teil 1 von 3)

 

1968 in Japan: Auf den Straßen Tokios gehen zehntausende gegen die bestehenden Verhältnisse auf die Straße, trotzen mit Helmen, Fahnen und Bambusstöcken der Polizeigewalt. An den Unis, unter anderem an der altehrwürdigen Kaderschmiede Todai (Tokyo-Uni) wird gestreikt; zahlreiche Institute bleiben über Monate besetzt. Auch hier müssen sich die Studierenden gegen die Angriffe des Staates und der von ihm angeheuerten rechten Schlägerbanden wehren – was sie ausgiebig und entschlossen tun.

Anderswo liegen ein paar anpolitisierte Oberschüler auf ausgefransten Matratzen herum, hören Jimmy Hendrix und praktizieren die freie Liebe. Letzteres erzählen sie zumindest einigen Mitschülern, die ebenfalls vom Geist der Revolte gepackt worden sind und nun Lust auf irgendeine Form von Aktion haben. Derweil trinken, bemerkt Murakamis Protagonist Ken, plötzlich alle Milchkaffee – warum auch immer. Schließlich schreitet man zur Tat, malt revolutionäre Parolen an alle Schulwände und kackt dem Direktor  aufs Pult.

Ob letztere Ereignisse so stattgefunden haben, ist fraglich. Während die eingangs aufgezählten Kämpfe gut dokumentiert sind (und auch in einigen in letzter Zeit veröffentlichten Erinnerungsbüchern japanischer 68er-AktivistInnen thematisiert werden), stammen die beschriebenen Oberschüler und ihre Revolte in der Provinz aus Ryu Murakamis Roman „69“. Vieles, von dem er in seinem autobiographisch gefärbtem Werk schreibt, dürfte sich allerdings so oder zumindest so ähnlich zugetragen haben.

Politische Kämpfe und neue (gegen)kulturelle Formen, der Versuch einer Revolutionierung des eigenen (Alltags-)Lebens, Liebens und Empfindens gingen in diesen Jahren oft Hand in Hand. In scharfem Gegensatz zur heutigen Zeit, in der die junge Generation Japans uns – junge Leute in der BRD – hinsichtlich ihres Desinteresses an Politik sogar noch übertrifft, wollten damals hunderttausende jeden Alters etwas ganz anderes als das Bestehende. Von den herrschenden Verhältnissen hatte man die Nase voll und war bereit dazu, selbst für deren Überwindung zu kämpfen.

 

Was tun? – die Neue Linke legt los

Die Gruppen, in denen sie das taten, werden gerne als Teil der „Neuen Linken“ bezeichnet. Nicht wenige der genannten Milchkaffeetrinker und frei Liebenden waren (neben reichlich kulturkonservativen AktivistInnen) Teil von ihr. Sie kämpften gegen den Vietnamkrieg der USA und dessen Unterstützung durch Japan, gegen den auch die 1968er-Bewegung in Europa und anderswo auf die Straße ging. MIt dem japanisch-amerikanischen „Sicherheitsvertrag“, kurz AMPO, wurde Japan zum rechten Arm der USA in Ostasien. Zudem war AMPO ein willkommener Anlass, die japanischen Streitkräfte aufzurüsten – Streitkräfte, die es laut der Japan zum Frieden verpflichtenden Nachkriegsverfassung gar nicht geben durfte. ArbeiterInnen wollten nicht mehr für den Besitzer ihres Unternehmens schuften, sondern die Unternehmen selbst verwalten und sie unter die demokratische Kontrolle der Allgemeinheit stellen. OberschülerInnen und Studierende wehrten sich gegen eine Erziehung, der Unterordnung und Gehorsam wichtiger waren als kritisches Infragestellen. Die neuen Massenunis waren derweil überfüllt und Seminare platzten aus allen Nähten. An eine Bildung, die mehr ist als Paukerei in Vorbereitung für einen lamgweiligen Bürojob, war dabei nicht zu denken.

All das und noch viel mehr war die so genannte „Neue Linke“.

Was aber war und ist diese Neue Linke genau? Das ist nicht einfach auf den Punkt zu bringen. Eine befriedigende Definition dieses nicht unumstrittenen Begriffs ist schwer. Auch soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass der im Folgenden vorgenommene Versuch einer Einordnung und teilweisen Bewertung keineswegs unser letztes Wort zum Thema sein wird. Um dem Gegenstand wirklich gerecht zu werden ist es unbedingt notwendig, die vielfältige japanische Literatur einzubeziehen und das persönliche Gespräch mit AktivistInnen und BeobachterInnen zu suchen. Beides möchte ich in absehbarer Zeit in Angriff nehmen – sobald bessere Sprachkenntnisse, Zeit und Reisemöglichkeiten dies zulassen.

Daher vorerst nur so viel: Die Neue Linke in Japan bestand (und besteht) aus Menschen, die sich von den im Parlament vertretenen Linksparteien, (der Kommunistischen Partei (JCP) und der heute nicht mehr existierenden Sozialistischen Partei (JSP), nicht vertreten fühlten – zum Beispiel den zu Beginn des Artikels beschriebenen Jugendlichen. In Japan bildete sich dieses linke Spektrum bereits Ende der 1950er heraus – früher also als in vielen westeuropäischen Ländern. Viele der dort organisierten AktivistInnen störten sich daran, dass vor allem die JCP sich auf parlamentarische Politik konzentrierte, somit die Regeln des bürgerlichen Staates akzeptierte. Statt Revolution verlangte sie lediglich Reformen. Höchstens in Sonntagsreden bediente sie sich noch eines marxistischen bzw. revolutionär klingenden Vokabulars. Von einer Politik im Sinne Che Guevara, des damals auf vielen Demo-Plakaten präsenten kubanischen Revolutionärs und Idols der 1968er-Bewegung, war sie damit nach Ansicht vieler junger Linker weit entfernt: „Die Pflicht eines Revolutionärs ist es, die Revolution zu machen!“, hatte Che erklärt.

Den studentischen AktivistInnen stieß zudem sauer auf, das die KP ihnen, neben der laut Marx zur Revolution berufenen Arbeiterklasse, bestenfalls eine begleitende Rolle auf dem Weg zum Sozialismus zuwies. Gleichzeitig veränderte sich die soziale Zusammensetzung der Studierendenschaft in dieser Zeit jedoch beträchtlich: Da der Arbeitsmarkt sich im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs und neuer technischer bzw. industrieller Entwicklungen deutlich wandelte, brauchten die Unternehmen mehr akademisch ausgebildete Beschäftigte. Die Anzahl der Studierenden erhöhte sich dementsprechend (nicht nur in Japan) stark. Wie erwähnt, ging damit auch deren einst elitärer Status flöten; Kinder aus der unteren Mittelschicht und aus Arbeiterfamilien kamen nun ebenfalls an die Unis.

Studieren hieß von da an nicht mehr, später automatisch in einem gut bezahlten Beruf zu landen. In Europa, Japan und anderswo beobachteten linke TheoretikerInnen eine wachsende Annäherung der Lebensverhältnisse von Studierenden und Arbeiterschaft (bzw. „Proletariat“). Die zunehmende „Proletarisierung“ der Studierenden, so vermutete man, würde diese auch politisch näher an die Arbeiterschaft führen und zu einer Identifikation mit den Zielen der kämpferischen Arbeiterbewegung beitragen.

Während sie den Kontakt zur Arbeiterbewegung suchte, engagierte sich die studentisch geprägte Linke auf unterschiedlichen Feldern. Man demonstrierte gegen den erwähnten Vietnam-Krieg der USA und dessen Unterstützung durch die japanische Regierung. Man trug, ebenso wie auch die aufständische Jugend der BRD und den USA, rote Fahnen und Che Guevara-Plakate durch die Straßen. Man demonstrierte für Solidarität mit den Befreiungsbewegungen in Asien, Lateinamerika und Afrika. Die Unibesetzungen wurden genutzt, um selbstverwaltete Vorlesungen und Seminare zu gestalten, oft unter Beteiligung bekannter, mit der Bewegung sympathisierender Intellektueller. Nach innen richtete sich der Kampf gegen den wiederauferstehenden japanischen Nationalismus und Militarismus, sowie die damit einhergehende, neu entflammte Liebe zum Kaiser und zur Armee.  Außerdem zeichnete sich bereits der Kampf gegen die 1970 anstehende Verlängerung  des „Sicherheitsvertrags“ mit den USA, AMPO, ab.  Dieser hatte bereits bei seiner Ratifizierung 1960 einen gewaltigen Proteststurm ausgelöst.

Bei alledem ergaben sich jedoch auch zahlreiche Probleme, die hier ebenfalls nur angerissen werden können: Weil die Arbeiterparteien die studentischen Gruppen als „Provokateure“ etc. verdammten, hielten sich diese nun selbst für die politische Vertretung der Arbeiterklasse. Nicht wenige meinten, die  unerlässliche Arbeiterbewegung selbst anleiten oder gar ersetzen zu können. Laut der marxistischen Theorie, auf die sich alle Gruppen beriefen, sind es aber nur die ArbeiterInnen selbst, die die Revolution machen können (eine genaue Erklärung von alledem sprengt den Rahmen; einen gut verständlichen Einstieg in marxistische Grundbegriffe und Theorie bietet zum Beispiel Ernest Mandel mit seinem Buch „Einführung in den Marxismus“). Tatsächlich stießen gerade in ihrer späteren Phase auch nicht wenige ArbeiterInnen zur „Neuen Linken“ hinzu; viele fühlten sich jedoch nicht von ihr vertreten. Sie gaben ihren angestammten sozialistischen und kommunistischen Parteien (JSP und JCP) noch immer den Vorzug vor den radikaleren Organisationen der Neuen Linken.

 

Sektierertum und innerlinke Gewalt

Eine unrühmliche Entwicklung innerhalb der  Neuen Linken Bewegung soll hier aber auch Erwähnung finden. Es kann nicht verschwiegen werden, dass etliche Gruppen der in sich sehr vielfältigen und zerspliterten Neuen Linken einen äußerst sektiererischen Politikstil pflegen – und es, nach der Lektüre diverser online veröffentlichter Texte, heute immer noch tun.

Der unumstößliche Glaube daran, dass die eigene Gruppe eine Vorstufe zur großen, revolutionären Arbeiterpartei sei und dass nur der eigene Verein die richtige Strategie für das Gelingen der Revolution besitze (zusammengebastelt aus, je nach Gruppe, Versatzstücken von Mao Zedong, Leo Trotzki und anderen) ließ nicht wenige AktivistInnen ziemlich abdrehen. Differenzen bezüglich Strategie und Taktik resultierten in unzähligen Spaltungen; wie sie auch innerhalb der europäischen radikalen Linken ständig stattfanden und -finden. Debatten wurden nicht selten geführt wie theologische Auseinandersetzungen über die einzig wahre Lesart der „sozialistischen Klassiker“. AbweichlerInnen wurden demensprechend als Veräter bzw. (um im Bild der Theologie zu bleiben) Herätiker betrachtet. Sie wurden aus ihren Gruppen ausgeschlossen oder gingen selbst und gründeten ihren eigenen Verein. Die diversen Gruppen stritten sich permanent um die Führung innerhalb des Studierendenverbands Zengakuren. Dieser stand ursprünglich der Kommunistischen Partei nahe, entwickelte sich dann aber weiter nach links. Letztlich beanspruchten mehrere Gruppen, der einzig wahre Zengakuren zu sein. Noch heute existiert der Verband mindestens zwei mal (unser Titelbild könnte einen von ihnen abbilden).

Es kam dabei auch zu Gewaltexzessen zwischen verfeindeten Gruppen, die dutzende Todesopfer (!) forderten. So bekriegten sich etwa die beiden heute noch existierenden Gruppen Kakumaruha („Revolutionär-marxistische Fraktion“) und Chukakuha („Mittlerer-Kern-Fraktion“) bis aufs Blut. Es fällt schwer zu begreifen, wie Differenzen zwischen politischen Gruppen, die letzten Endes das gleiche oder zumindest ein ähnliches Ziel haben, zu derartigen Ungeheuerlichkeiten führen konnten. Eine Antwort kann auch mit diesem Text nicht gegeben werden.

Diverse Stadtguerilla-Gruppen hinterließen in Japan zudem ein fürchterliches Erbe, nachdem sich die größte von ihnen durch die faktische Hinrichtung (mittels Erfrieren im Schnee, etc.) vermeintlich nicht linientreuer GenossInnen hervorgetan hatte. Der Regisseur Wakamatsu Koji hat sich mit diesem Kapitel der Neuen Linken (zu deren radikalstem Flügel auch solche Gruppen zählten) in seinem Film „United Red Army“ auseinander gesetzt. Auch die bereits genannten Chukakuha und Kakumaruha verlegten sich in den 1970ern auf eine Taktik, die Bombenanschläge und ähnliche Aktionen einschloss. Heute sind derartige Aktionen allerdings nicht mehr Teil der politischen Praxis dieser Gruppen.

Im Gegensatz dazu standen weniger festgefahrene Strukturen wie die sogenannte „Zenkyoto“-Bewegung. Diese bestand vor allem aus Gruppen bzw. Komitees, die sich an den Unis selbst bildeten und bei den Besetzungen sowie deren Verteidigung gegen Polizei und Unileitung eine zentrale Rolle spielten. Waren ihre Forderungen anfangs noch stark Uni-zentriert (Kleinere Vorlesungen, mehr Mitbestimmung, Demokratisierung etc.), fanden auch sie nach und nach zu einer eindeutig linken Ausrichtung und solidarisierten sich (auch ganz handfest) mit den Kämpfen auf der Straße . Im Gegensatz zu Chukakuha und Co. waren sie jedoch offen für unpolitisierte Leute und weniger straff bzw. hierarchisch organisiert.

 

Kulturrevolution

Kulturell unterschieden sich „alte“ und „neue“ Linke ganz gewaltig. Die Kommunistische Partei wollte neue Mitglieder in den 1960ern unter anderem dadurch gewinnen, dass sich mustergültige Ehepaare an ihrem Wohnort als „perfekte Nachbarn“ präsentierten und, so hoffte man, über Gespräche mit ihren Mitbürgern, Hilfe bei Alltagsproblemen und höflicher Werbung für die Partei zu einer Politisierung beitrugen. Viele Leute aus der „Neuen Linken“ wollten hingegen lieber gleich ganz Schluss machen mit bürgerlicher Ehe, Spießertum, überkommenen Geschlechterrollen, staatlichen Autoritären und dem ganzen muffigen Rest.

Dabei diskutierte man auch über eine sexuelle Revolution, wenn auch nicht ganz so ausgiebig wie z.B. in der BRD. Der Regisseur Oshima Nagisa berichtet ausgiebig vom wohligen Grausen, das bürgerliche Zeitungen beim Spekulieren über „Orgien“ hinter den studentischen Barrikaden vermuteten. Er erwähnt nebenbei auch Diskussionen innerhalb von Chukakuha um Geschlechterrollen und das Unterbuttern weiblicher Mitglieder durch ihre männlichen Genossen – was die Frauen sich nicht mehr bieten lassen wollten. Leider hat die unterdrückende Sexualmoral in Japan wie auch hier am Ende gewonnen.

Allerdings ist es auch hier wichtig, nicht in eine simple Projektion der japanischen Revolte auf die damaligen Ereignisse in der BRD bzw. in Westeuropa zu verfallen. In seinem auf Japan Focus veröffentlichten Artikel über Japans 1968er-Bewegung betont Eiji Oguma diverse Differenzen:

Sexuelle Befreiung und Gegenkultur seien bei vielen AktivistInnen lange kein Thema gewesen. Oguma erklärt dies u.a. mit einem aus Selbstzweifeln und aus Entfremdung von der entstehenden Konsumgesellschaft erwachsenen Hang zu Askese und Selbstdisziplinierung. Rockmusik galt manchen MarxistInnen als „bourgeois“ (bürgerlich), laute Konzerte hinter den Barrikaden gab es erst spät. Viele gaben japanischer Folk-Musik lange den Vorzug. Sie waren befremdet von der Gegen- bzw. Hippiekultur, die mit Konsumismus und Vernachlässigung der „revolutionären Disziplin“ in Verbindung gebracht wurde. „Counterculture“ bzw. subkultureller Underground und Neue Linke waren also keinesfalls deckungsgleich. Manga wurden allerdings von den allermeisten gern gelesen (dazu mehr in Teil 3 dieser Artikelreihe). Außerdem sei etwa die Frage von Frauenbefreiung und der Diskriminierung von Minderheiten wie den Ainu (Ureinwohner von Hokkaido), den „Burakumin“ (die noch heute diskriminierten Nachfahren ehemals als „Unberührbare“ geltender Bevölkerungsgruppen), den Koreanern und anderen erst nach der Niederlage im zweiten großen AMPO-Kampf 1970 auf die Tagesordnung gesetzt werden.

 

Nach der großen Niederlage

Der 1970 erneut verlorene Kampf gegen AMPO war für die Linke links von Sozialisten und Kommunisten ein schwerer Schlag. Der Vertrag wurde verlängert. Alle Demos und Straßenkämpfe konnten dies nicht verhindern. Bis dahin im Kampf für das gemeinsame Ziel zurückgehaltene Konflikte brachen offen aus; die Bewegung zerfaserte und viele AktivistInnen (außer jenen Führungsfguren, die auf „schwarzen Listen“ landeten und bei den großen Unternehmen keine Chance hatten) zogen sich ins Berufs-und Privatleben zurück. Der Staat unterdrückte zudem mehrere Neugründungsversuche; einzelne Führungsfiguren der Bewegung landeten auf Jahre im Knast.

Die ungebrochene Aufschwungsdynamik der japanischen Wirtschaft ließ große Teile der Jugend derweil das Interesse an Politik verlieren und vermutlich an ein gutes Leben im japanischen Kapitalismus glauben – anders als 1960 hatten die meisten jungen Leute die Armut und den Hunger der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht mehr selbst erlebt. Die Gründung neuer Linker Parteien gelang ebensowenig wie der Aufbau einer breiten, nicht-sektiererischen außerparlamentarischen Bewegung. Die Gewalt unter den verbliebenen Gruppen eskalierte. Viele Menschen waren von der Neue Linken spätestens ab diesem Punkt abgeschreckt. Sie brachten sie in Verbindung mit Sektierertum und Gewalt.

Dennoch: Die erbitterten Kämpfe der 1960er und 70er Jahre widerlegen all jene, die noch immer das exotisierende, bisweilen offen rassistische Bild der „von Natur aus“ höflichen, unterwürfigen und passiven JapanerInnen zeichnen. Dass jenes Bild nicht verschwunden ist, haben etliche Berichte im Zuge des Kanto-Erdbebens und der Atomkatastrophe von Fukushima eindrücklich bewiesen.

Trotz der Niederlage und trotz der ziemlich trostlosen Situation, in der sich die radikale japanische Linke heute befindet, haben Menschen auch immer weiter gekämpft. Im kommenden zweiten Teil dieser Artikelreihe werde ich mich daher auch der Frage widmen, was aus der Neuen Linken geworden ist. Macht euch gefasst auf erbitterte Auseinandersetzungen an Tokyos Hosei-Uni, eine kämpferische Lokführergewerkschaft aus Chiba und eine bemerkenswerte Kandidatur der radikalen Linken, die zum „Sturz des Abe-Regimes“ angetreten ist!

 

Michael Streitberg

 

Für diesen Artikel verwendet und zum Weiterlesen empfohlen:

  • Seiffert, Johannes: Zengakuren.Universität und Widerstand in Japan. Trikont, 1968
  • Derichs, Claudia: Japans Neue Linke. Soziale Bewegung und außerparlamentarische Opposition, 1957-1994.
    Mitteilungen der Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens e.V., Bd. 123. OAG Hamburg, 1995
  • Oshima, Nagisa: Die Ahnung der Freiheit. Schriften. Fischer, 1988
  • Murakami, Ryu: 69. Suhrkamp, 2004
  • Mandel, Ernest: Einführung in den Marxismus. Neuer ISP Verlag, 2002
  • Interview: Dr Patricia Steinhoff, Pt.1-5“, 2008. Gefunden auf: neojaponisme.com (http://neojaponisme.com/2007/09/09/steinhoffpartone/ )
  • Oguma, Eiji: „Japan’s 1968: A Collective Reaction to Rapid Economic Growth in an Age of Turmoil“. In: The Asia-Pacific Journal, Vol. 13, Issue 11, No. 1, March 23, 2015.  (http://japanfocus.org/-Oguma-Eiji/4300 )

 

Titelbild von zenshin.org

PASSENDES

Suche

Archiv