Presseschau März & April 2015

Presseschau März & April 2015

Aus den Weiten des Internets frisch gefischte, wirklich wissenswerte Neuigkeiten und Artikelperlen zu Manga, Anime und dem Land der zunehmenden Zensur.

Manga & Anime

Ping Pong zur besten Anime-Serie 2014 gekürt – Masaaki Yuasa macht neuen Film!

Nach seinem gekickstarteten Kurzfilm Kick-Heart bescherte Masaaki Yuasa mit der Anime-Adaption von Taiyō Matsumotos Manga Ping Pong den Anime-Connoisseurs dieser Welt letzten Frühling das Kleinod des Jahres. Jetzt wurde die elf-teilige Serie mit dem Tokyo Anime Award in der Kategorie Fernsehserie ausgezeichnet. Weitere Preise gab es für Nobutake Ito als besten Animator und Kouki Uchiyama, die Stimme von Smile, einem der beiden Protagonisten. Alles völlig verdient, wie wir finden! Der Freude nicht genug, kündigte Maasaki Yuasa auf Twitter an, dass er an einem neuen Anime-Film arbeite. Ganze elf Jahre nach seinem Regie-Debüt uns bislang einzigem Spielfilm Mind Game! (letzteres Werk ist in Deutschland bei Rapid Eye Movies erschienen und für schlappe 7 Euro zu haben; Ping Pong ist kostenlos und legal bei Crunchyroll anzusehen. Absoluter Ankuckbefehl!) (via: otakuusamagazine.com)

Erster Trailer zu Miss Hokusai

In der letzten Presseschau zeigten wir uns begeistert ob der Ankündigung des neuen Production I. G. Films Miss Hokusai über die Tochter des Zeichners der berühmten Welle. Mittlerweile ist ein Trailer erschienen, der unsere Vorfreude nochmals wachsen ließ. Auch der Humor scheint bei diesem geschichtsträchtigen Quasi-Biopic nicht zu kurz zu kommen! (via: catsuka.com)

Akira goes Simpsons

Was wie ein verspäteter Aprilscherz aussieht, ist tatsächlich ernst gemeint: Im schönsten Crossover seit Jahrzehnten wird Ralph Wiggum zum Nase bohrenden Herrscher von Neo-Tokyo. Werden die langweiligen Dialoge und das endlose Gerenne ebenfalls gestrafft, oder bleiben am Ende wieder nur grandiose Bilder und eine käsige Geschichte? (via: kotaku.com)

Isao Takahata spricht über Kaguya-hime und die Aufrüstungspolitik von Japans Regierung

Er gilt nicht gerade als der interviewfreudigste Mensch auf Erden. Umso mehr haben wir uns gefreut, als wir  auf gleich zwei Interviews mit Isao Takahata gestoßen sind. Im ersten mit Wired spricht der Studio Ghibli-Mitbegründer über den Animationsstil seines letzten Werks Die Legende der Prinzessin Kaguya – aber auch über einen Film, von dem viele wahrscheinlich nicht wussten, dass er überhaupt existiert. In einem weiteren Interview mit Litera äußert Takahata seine Bedenken hinsichtlich der national-konservativen Politik Shinzo Abes, der Artikel 9 der japanischen Verfassung (Verpflichtung zum Frieden und zur Nichtangriffsfähigkeit) aufweichen ließ: “Wenn wir uns befähigen, Kriege zu führen, werden wir sie auch führen.” Das Anime News Network gibt das Interview in englischer Übersetzung auszugsweise wieder. (via: wired.co.uk; ANN)

Yoshihiro Tatsumi – Der Gekiga-Meister

Auch in Japan war lange Zeit das Klischee vorherrschend, dass Comics nur was für Kinder seien. Nicht wenige Zeichner wollten das bereits vor einigen Jahrzehnten ändern, und so kam es in den 1960ern zur Etablierung von”Gekiga”: Gekiga waren Manga, die sich mit neuen Themen, einer häufig düsteren Grundstimmung und mitunter auch (links)politischen Inhalten an ein erwachsenes Publikum richteten. Andrew Osmond schreibt für den Manga UK-Blog über jenen Zeichner, der den Begriff Gekiga etabliert hat: Yoshihiro Tatsumi. Über das Leben und Werk des im März verstorbenen Künstlers erschien jetzt ein Film. In fünf animierten Geschichten wird erkundet, wie Tatsumi erzählt und was ihn beschäftigt hat. Hierzulande hat Carlsen bislang drei seiner Werke heimlich, still und leise auf den Markt gebracht – inklusive Tatsumis wortwörtlich schwerer Autobiografie. Wir ziehen unseren Hut! (via: mangauk.com)

Billiger Wohnraum für arme Zeichner – das Wohnheim steht!

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Anime-Zeichner in Japan auf Hungerlohn-Basis arbeiten. Viele sind nicht festangestellt und schlagen sich als Freelancer durch. Verschlimmert wird ihre Situation zusätzlich dadurch, dass die großen Zeichenstudios in den teuren Stadtvierteln Tokyos angesiedelt sind. Weil sich viele die Mieten nicht mehr leisten konnten, entschlossen sich einige Zeichner zusammen (u.a. Naoyuki Asono von Tatami Galaxy), um per Kickstarter billigen Wohnraum für die Schlechtbezahlten zu gewinnen. Das Projekt war erfolgreich. Jetzt eröffnete im Asagaya-Bezirk das Wohnheim für Anime-Zeichner. Definitiv eine Entschärfung der Situation, aber wohl keine Lösung der Gesamt-Misere.  (via: ANN)

 

Gesellschaft, Politik & Rambazamba

Die Kriegsschuld wegschreiben – Shinzo Abes Regierung verordnet “patriotische Erziehung”

Japans Premierminister Shinzo Abe schreibt sich die Geschichte, wie sie ihm gefällt. Ein Hörbeitrag von Deutschlandfunk stellt dar, wie sich die japanische Regierung vor dem anstehenden 70. Jahrestag des Kriegsendes positioniert: darauf bedacht, sich ja nicht zu viel zu entschuldigen. Ein Artikel der Sueddeutschen beschreibt, wie sich diese Geschichtspolitik in japanischen Schulbüchern niederschlägt. So ist das von japanischen Truppen verübte Massaker von Nanjing plötzlich nur noch ein “Zwischenfall”. Micha geht in seinem Artikel für die junge Welt ebenfalls auf das erzwungene Schulbuch-Update ein und berichtet dabei auch von Lehrern, die sich dem verodneten Mitsingen der Nationalhymne verweigerten. (via: jungewelt.de; sueddeutsche.de; deutschlandfunk.de)

Als Deutsche Professorin in Japan

Welchen Stellenwert hat Haruki Murakaki für die japanische Literatur? Was macht das Übersetzen aus dem Japanischen mitunter so schwierig? Wie schafft man es in Japan als Deutsche eine Professur zu erhalten? Die Japanologin Irmela Hijiya-Kirschnereit erzählt in der Deutschlandfunk-Sendung Zwischentöne eine Stunde Lang von ihrer Erfahrung mit Japan und seiner “hoch-kontextuellen Sprache”. Ein einblickreiches wie angenehmes Gespräch für lange Ubahn-Fahrten und wohlvorbereitete Abendessen. Nebenbei erklärt Irmela Hijiya-Kirschnereit zudem, wie sich auch in der Sushi-Bar Machtgefälle ausdrücken können. You better know! (via: deutschlandfunk.de)

Geschichte einer Revolte

Für ganz Ausdauernde hier noch ein langer Artikel zur Geschichte und (einer möglichen) historischen Einordnung der japanischen 1968er-Bewegung. Autor Eiji Oguma versucht darin auch die Frage zu beantworten, warum nach der Niederlage im AMPO – Kampf von 1970 kein “Marsch durch die Institutionen” und auch keine Etablierung neuer Massenbewegungen stattfand. Sehr spannend ist sein Exkurs über die unterschiedlichen kulturellen Vorlieben der beteiligten AktivistInnen. Underground-Kultur und Rockkonzerte, Folk-Liedermacher und Manga! (via: japanfocus.org)

Verhütung außer Rand und Band

Nicht direkt Anime, aber animiert und unser Bonbon für den Schluss: ein wunderbar surrealer Spot über den Kampf gegen Geschlechtskrankheiten und seine strahlenden Helden: Fantastic Capote und Wonder Capote! Regie: Jeremie Perin (via: catsuka.com)

Share this Story

Related Posts

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Suche

Facebook

Archiv