Panini Comics: Keine Scheu vor Ecchi-Manga

Panini Comics: Keine Scheu vor Ecchi-Manga

Im letzten Teil unserer Interview-Reihe mit den Manga-Verlagen sprachen wir auf der Leipziger Buchmesse mit Lisa Pancaldi und Rebecca Haar von Panini Comics (bzw. Planet Manga). Ein Gespräch über vergangene Wagnisse, das sichere Pferd Softcore-Erotik und die Schwierigkeit, die Lücke von Full Metal Alchemist zu füllen.

 

Tanuki Republic: Hinsichtlich Ihres Verlagsprogramms haben sich in den letzten Jahren die Akzente deutlich verschoben. Während Sie früher durch die Veröffentlichung erwachsener und anspruchsvoller Manga-Serien wie 20th Century Boys und Lone Wolf and Cub auf sich aufmerksam machten, sind die Titel heute von einem ganz anderen Schlag. Wie kam es dazu?

Lisa Pancaldi & Rebecca Haar: In den vergangenen Jahren waren wir immerhin Pioniere mit unseren Veröffentlichungen von Ecchi-Manga (Softcore-Erotikmanga). Seinen-Manga (Manga für ältere Jugendliche) veröffentlichen wir immer noch, allerdings eher Titel, die nicht primär ein erwachsenes Publikum ansprechen. 20th Century Boys und Lone Wolf and Cub richten sich an ein Publikum, das in Deutschland sehr klein ist. In Frankreich ist das anders, dort ist das Spektrum viel größer, weshalb 20th Century Boys dort ein Hit gewesen ist. Hier in Deutschland könnte es ein solches Publikum vielleicht in zehn Jahren geben – vorausgesetzt, die heutigen Manga-Leser bleiben ihrer Leidenschaft treu, wenn sie die 25 überschritten haben.

Spielt dabei auch die Länge dieser beiden Serien (20th Century Boys: 22 Bände plus zwei weitere, Lone Wolf and Cub: 28 Bände) eine Rolle?

Auf jeden Fall. Die Werke von Jiro Taniguchi, die sich ebenfalls an ein kleineres Publikum richten, erscheinen ja hier bei anderen Verlagen. Allerdings sind das meist Einzelbände. Einen solchen kann man auch dann veröffentlichen, wenn er nicht so viele Leser findet. Bei langen Serien ist das viel schwieriger.

Gut verkauft haben sich Lone Wolf and Cub und 20th Century Boys damals demnach nicht?

Ja, das Publikum war einfach nicht groß und breit genug. Anders ist das zum Beispiel bei Berserk, obwohl es sich auch dabei um einen Seinen-Manga handelt.

Weil es sich an ein explizit männliches Publikum richtet?

Wir denken, Berserk richtet sich sowohl an Männer als auch an Frauen.

Um nochmal auf die Ecchi-Manga zurückzukommen: diese Manga enthalten keine expliziten Sexszenen. Im Internet hingegen findet man mit wenigen Mausklicks deutlich explizitere Manga. Wer kauft da noch Ecchi-Manga?

Die Ecchi-Manga richten sich primär an ein männliches Publikum. Wir sind aber sehr überrascht, wie viele Frauen sich dafür begeistern lassen. Ich vermute, dass mehr als die Hälfte der Leser weiblich sind. Auch hier auf der Messe haben ganz viele Frauen die neuen Titel aus diesem Bereich gekauft – zum Beispiel Miss Marple.

Es entsteht also kein Problem dadurch, dass deutlich explizitere Stoffe kostenlos im Internet zu finden sind und dass es andererseits erzählerisch deutlich ausgefeiltere Werke im Bereich der Story-Mangas gibt?

Nein, wir finden da definitiv unser Publikum. Auch Ecchi-Manga erzählen ja eine Geschichte. Manche sind auch lustig, Kaori zum Beispiel. Man will sie schießlich nicht nur anschauen, sondern auch lesen.

Was planen Sie für die nächsten zwei bis drei Jahre? Gibt es neue Richtungen, die Sie gerne einschlagen würden?

Im Prinzip können wir uns nicht beschweren. Wir füllen eine Lücke aus, und es funktioniert. Natürlich würden wir uns über neue Hits freuen, die die Lücke von Full Metal Alchemist ausfüllen könnten. Neue interessante Werke gibt es natürlich immer.

Man muss aber auch sagen, dass es in anderen europäischen Ländern derzeit eine gewisse Stagnation auf dem Manga-Markt gibt, etwa in Italien und Frankreich. Dort ist teilweise eine Übersättigung zu beobachten. Der deutsche Manga-Markt ist hingegen weiterhin am wachsen. Immer mehr Verlage veröffentlichen Manga, es gibt viele Mitbewerber. Um neue Lizenzen muss man kämpfen.

Denken Sie, jeder Verlag hat sein Nische gefunden? Oder konkurriert man schon hart um neue Titel?

Ja, abseits der Ecchi-Manga ist die Konkurrenz natürlich groß, auch wir müssen uns sehr bemühen.

Eine Frage zum Abschluss, obwohl sie sich wahrscheinlich bereits beantwortet hat: Wird es eine Neuauflage von 20th Century Boys und Lone Wolf and Cub geben?

Vorerst nicht. Wie gesagt, dafür ist das Publikum und somit die Nachfrage nicht groß genug. Andererseits sehen wir, dass das Manga-Publikum älter wird. Wenn in Zukunft eine Nachfrage nach den genannten Titeln bestehen sollte, können wir alles ins Auge fassen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Titelbild: „My Doll House“, vol.1 von Toshiki Yui. Deutsche Ausgabe erschienen bei Panini Comics, Stuttgart, 2012.

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