Brian erinnert sich an nichts: MONSTER RANCHER

Brian erinnert sich an nichts: MONSTER RANCHER

Tanuki Republic präsentiert das erste hauseigene Sozial-Experiment: Unser Proband Brian D. Ackermann verbrachte den Sommer bislang im Keller vor seinem Röhrenfernseher und konfrontierte sich aus freien Stücken mit seiner vom RTL2 Anime-Block geprägten Kindheit. Den ersten Schritt seiner Introspektionen stellt die Serie MONSTER RANCHER dar, die Brians Erinnerung bislang als atmosphärisches Epos verbuchte. Hält die harte Realität der süßen Nostalgie stand?

 

Wir haben es hauptsächlich RTL2 und seinem Kinderprogramm der 1990er und 2000er zu verdanken, dass Animes sich in deutschen Kinderhirnen festsetzen konnten. Unter dem Label Pokito wurden mehr oder weniger kindergerechte Anime-Serien ins Deutsche übersetzt und, wenn es sein musste, für den Jugendschutz zurechtgeschnitten.

Ich habe damals alle Serien auf mich einprasseln lassen, die zufällig da waren. So kommt es, dass mir zwar viele schemenhafte Bilder im Kopf geblieben sind, ich mich aber oft nicht erinnern kann, womit mein junges Ich da eigentlich konfrontiert worden ist. Das soll sich jetzt ändern! Mit dieser Reihe möchte ich mich erneut auf eine Reise durch die bunte, laute und manchmal verstörende Welt der Anime-Kinderserien begeben. Ich werde mich dabei ausschließlich Animeserien widmen, die ich damals im deutschen Fernsehen gesehen habe. Außerdem möchte ich mich auf ein Kontingent von ungefähr 50 Folgen pro Serie beschränken, denn selbst meine Aufnahmefähigkeit kennt Grenzen. Nun wird es Zeit nostalgische Erinnerung und gegenwärtige Wahrnehmung abzugleichen!

Den Anfang macht die Serie Monster Rancher. In Deutschland wurden die erste und zweite Staffel 2001 am Stück auf RTL2 ausgestrahlt. Wie oben erwähnt, werde ich mich in diesem Artikel ausschließlich den 48 Folgen der ersten Staffel widmen. Für mich war Monster Rancher eine der ersten Animeserien überhaupt. Von meiner damaligen Seherfahrung ist mir nur im Gedächtnis geblieben, dass mir die Serie viel ernster und erwachsener vorkam als alle anderen. Da gab es zähnefletschende Wölfe oder klobige Steingolems, die sich bis auf den Tod bekämpfen. Außerdem umgab die Serie in meiner Erinnerung etwas Mysteriöses. Es war wie eine unerklärliche Macht, die unter allem lag, an deren Bewandtnis ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern konnte. Außerdem trug die Hauptfigur immer Rollschuhe. Mysteriös.

Am Anfang war die Monsterfarm

Wie viele andere Kinderserien auch basierte Monster Rancher auf einem separat erhältlichen Spielzeug. 1997 brachte die Firma Tecmo das Videospiel Monster Farm für die Playstation One raus und gab wenig später eine auf dem Spiel basierende Anime-Serie in Auftrag. So wurde Monster Rancher vom Animationsstudio TMS Entertainment und unter der Regie von Hiroyuki Yano verwirklicht. TMS Entertainment war lediglich für einen großen Kinoerfolg bekannt – nämlich den Film Akira aus dem Jahr 1988. Ansonsten ist das Studio für seine langlebigen Franchises wie Detektiv Conan oder Lupin III berüchtigt. Das Ziel des Videospiels Monster Farm war es, Monster großzuziehen, gesund zu halten und kämpfen zu lassen. Es war im Grunde ein Tamagochi mit Kampffunktion. Da das erste Spiel so gut wie keine Geschichte erzählte, wurden von der Serie nur das allgemeine Setting und die Designs der Charaktere übernommen. Alles andere, was ich im Folgenden besprechen werde, haben wir den Machern der Serie zu verdanken.

 

Als PS One noch Next Gen war: Monster Rancher im Urformat

Als Playstation One noch Next Gen war: Echte Monster haben Ecken und Kanten.

 

Reise in die wunderbare Welt der Videospiele

Die Hauptfigur der Serie heißt Genki, was „Energie“ auf Japanisch bedeutet. Genki ist ein elfjähriger Junge und besessen von Videospielen. Die erste Folge verbringt er damit, von seinem Sieg beim örtlichen Videospielturnier zu träumen und dem Moment entgegenzufiebern, in dem er endlich das neue Monster Farm-Spiel (natürlich!) in seinen Händen halten kann. Es ist leicht einzusehen, wie hier versucht wurde Kinder zu ködern. Es ist die Situation, die jeder Videospielfan noch aus seiner Schulzeit kennt. Man wartet sehnsüchtig darauf, endlich nach Hause zu stürmen und mit einem neuen Videospiel wie in eine neue Welt abzutauchen. Genau das ist das Set-up für Monster Rancher. Nur wird Genki wortwörtlich in die Videospielwelt von Monster Farm hineingezogen, wo er bis zum Ende der Serie sein Dasein fristen darf.

 

Hier zerquetscht Genki die Hand seines Gegners noch vor dem Spiel. Pausenloses Zocken zahlt sich aus.

Hier zerquetscht Genki die Hand seines Gegners noch vor dem Spiel. Pausenloses Zocken zahlt sich aus.

 

Tatsächlich erinnert der Plot von Monster Rancher an die abstrusen Geschichten, die man aus japanischen Rollenspielen gewöhnt ist: Die Welt wird gleichermaßen von Menschen und Monstern bewohnt, die sprechen und denken können. Monster werden aus CD-förmigen Geheimnissteinen erschaffen, die an wahllosen Orten zu finden sind (einer war in einer Kartoffel). Doch eine böse Macht aus der Vergangenheit namens Moo beginnt Monster gewalttätig zu machen und die Menschen unter der Herrschaft der Monster zu versklaven. Genki macht sich mit seiner ständig anwachsenden Gruppe von Freunden auf, ein zweites uraltes Monster – den Phönix – wiederzubeleben. Im Prinzip soll der Phönix auf einen Schlag alle Probleme lösen, die Moo verursacht. Doch hier hört die Geschichte noch lange nicht auf!

 

Krieg der Kuschelmonster

In einem der vielen Geheimnissteine entdeckt die Gruppe einen sprechenden, schwarzen Monolithen namens Monol. Wem das bekannt vorkommt, der hat völlig recht. Hier wurden eins zu eins Bilder aus Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum übernommen – inklusive eines Gedanken-Trips durch den Weltraum. Wie die Affen aus besagtem Film versammeln sich alle um den Stein und werden von einer Art halluzinogenem Rausch erfasst, der ihnen die Geheimnisse ihrer Welt offenbart.

 

Es handelt sich nur um eine der zahlreichen Ideendiebstähle liebevollen Anspielungen der Serie.

Es ist möglich, dass sie unterwegs auch an der Mondstation Clavius oder dem Jupiter vorbeigekommen sind.

 

Alles begann mit einer hochtechnisierten Zivilisation von Nerds, die vor mehr als 1000 Jahren existierte. Sie war so fortgeschritten, dass Hunger und Krankheit keine Probleme mehr darstellten. Was könnte als nächster Schritt also näher liegen als alle technischen Ressourcen darauf zu verwenden, Monster aus Fantasy-Rollenspielen durch komplexe Genmanipulation exakt nachzubilden? Dass die Monster dabei menschenähnliches Bewusstsein erhielten, scheint lediglich ein Nebenprodukt gewesen zu sein. Da die Monster aber immer noch als Schoßtiere gedacht waren, fand man eine Möglichkeit sie in runden Steinplatten einzuschließen, sodass sie nach Bedarf abgerufen werden konnten.

Doch nach jahrelangem, glücklichem Genmanipulieren brachen auf einmal schreckliche Wirbelstürme, Vulkanausbrüche und Erdbeben über die Menschen herein, an denen sie offenbar selber schuld waren. So sieht wohl das Anime-Äquivalent zu globaler Erwärmung aus. Natürlich waren die verwöhnten Leute mit der Situation völlig überfordert und kurze Zeit später brach ein Weltkrieg aus. Die Monster wurden von Haustieren in Kampfmaschinen verwandelt und mit Waffen ausgestattet. Das Ergebnis war also ein Krieg, in dem Kampfjets, Panzer, Drachen und Dinosaurier mit Laserpistolen gegeneinander kämpften – ein wunderbar absurdes Szenario, das mich immer noch zum Schmunzeln bringt. Epischer kann eine Zivilisation kaum untergehen!

Weil normalgroße Monster eben nicht genug sind, beschloss ein Volk ein unbesiegbares Monster zu erschaffen, das den Krieg entscheiden sollte. Dieses Monster war Moo und sah aus, wie man sich einen Dämon aus der Unterwelt vorstellt – nur mit kuscheligem, rosa Fell.

 

In Wirklichkeit wollte Moo nur gestreichelt werden.

In Wirklichkeit wollte Moo nur gestreichelt werden.

 

Da Moo ein paar Minuten nach seiner Geburt beschloss, alles zu vernichten, taten die verbleibenden Wissenschaftler das, was jeder Monsterliebhaber getan hätte: Noch ein Riesenmonster basteln und für sie kämpfen lassen! Dieses zweite Riesenmonster war der besagte Phönix. Inzwischen war der Kampf ein ganz schönes Kuddelmuddel und so bauten die Menschen noch eine dritte Superwaffe, das letzte Tor, um den Sack zuzumachen. Sie trennte Geist und Körper der beiden Riesenmonster und vernichtete fast alles andere.

Im Grunde spielt Monster Rancher also in einer Postapokalypse. Oh, hatte ich schon erwähnt, dass das alles auf dem Superkontinent Pangaea stattfand, der tatsächlich vor 300 Millionen Jahren… na gut, ich glaube das reicht jetzt.

 

Hollys trauriges Schicksal

Um Moo in der Gegenwart zu stoppen, müssen also der Körper und der Geist des Phönix wieder zusammengebracht werden. In Genkis Suchtruppe befinden sich fünf Monster: Haki der Hase, Mochi das Mochi, Suezo der Suezo, Golem der Golem und Tiger der Wolf. Namensfindung zählte nicht zu den Stärken der Serie.Das letzte und eigentlich wichtigste Mitglied der Gruppe ist das Mädchen Holly. Alle Bewohner ihres Heimatdorfes wurden von Moos Truppen umgebracht. Doch sie besitzt das einzige Artefakt, dass den Phönix aufspüren kann: Den Mirakelstein. Holly ist auch die einzige, die den Stein einsetzen kann. Zu allem Überfluss ist es auch noch Hollys Vater, von dem Moo Besitz ergriffen hat. In einem Moment, der durchaus an Star Wars erinnert, muss sie sich gegen ihren eigenen Vater wenden. Das große Problem ist, dass kein Charakter mehr als zwei Charaktereigenschaften spendiert bekommen hat. Golem ist weise und einfühlsam, Haki ist gierig und klug und so weiter. Das tragische an Hollys Figur ist, dass sie so viel mehr Potenzial gehabt hätte als alle anderen Charaktere.

 

Holly hat ihr gesamtes Dorf alleine beerdigt. Außer ihr und Suezo war niemand übrig.

Hier steht Holly vor den selbst ausgehobenen Gräbern ihres Dorfes – nicht gerade das übliche Setting einer Kinderserie.

 

Die Monster erfüllen ihren Zweck als überzeichnete Nebencharaktere, aber Holly stünde eigentlich vor wirklich brisanten Konflikten! Wie soll sie mit dem Massenmord umgehen, den sie miterleben musste? Was trieb ihren Vater unter Moos Kontrolle? Und sollte sie ihn wirklich ohne nachzudenken töten? Keine dieser Fragen spielt am Ende eine Rolle. Nichts davon hat irgendeinen Einfluss auf ihren Charakter. Holly ist nur das nette, hilfsbereite Mädchen, das mit der Gruppe mitläuft und manchmal den Kompass bedienen muss. Schlimmer noch! – Sie muss ständig beschützt und gerettet werden! Obwohl sie zwischenzeitlich einen Dolch erhält, von dem prophezeit wird, dass er Moo töten soll, kämpft Holly nur ein einziges, verdammtes Mal damit. Und das auch nur, nachdem der eigentlich Kampf schon vorbei war.

 

Holly greift mit den Waffen einer Frau ins Kampfgeschehen ein. Danach auch nie wieder.

Holly greift mit den Waffen einer Frau ins Kampfgeschehen ein. Danach auch nie wieder.

 

Dabei etabliert die Serie klar und deutlich, dass in dieser Welt selbst ein 10-jähriger mit seinen Rollschuhen gegen Monster kämpfen kann. Kein Charakter bei Monster Rancher ist ein Beispiel für charakterliche Tiefe. Stattdessen vertraut die Serie auf ihren Plot. Aber Holly ist ein Paradebeispiel für alle langweiligen Klischees, unter denen weibliche Hauptcharaktere leiden können.

 

Von Fillerfürsten und Schwanzhieben

Das Erzähltempo der einzelnen Folgen hat mich positiv überrascht. Die wenigsten Folgen waren wirklich überflüssig. Entweder der Plot wurde weiter vorangebracht oder es ging um eine Moral, die vermittelt werden sollte. Leider merkt man Monster Rancher an einigen Stellen trotzdem an, dass sowohl an technischen als auch an kreativen Ressourcen gespart wurde. Ab Folge 38 kommt die Serie abrupt zum Stillstand. Um Zeit bis zum letzten Kampf mit Moo zu schinden, wird ein zweiter Bösewicht eingeführt, den ich liebevoll “Durahan, den Fillerfürsten” taufen möchte. Denn bis Folge 44 macht Durahan nichts anderes, als pro Folge ein neues Monster aus seiner unendlichen Sammlung an Eisblöcken zu befreien. Sieben Folgen lang muss man das immer gleiche Prozedere ertragen: Feind wird erweckt, Feind greift an, Feind wird besiegt. Es war, als würde mit jedem Eisblock, den Durahan zerteilt, auch ein Teil meines Verstandes wegbrechen. Nach dem siebten Kampf, glich mein Gehirn einem Wackelpudding.

 

Ihnen sind die Ideen ausgegangen, aber da gibt es noch 10 Folgen? Kein Problem! Durahan hat ein Monster im Eisblock, auch für Sie!

Ihnen sind die Ideen ausgegangen, aber da gibt es noch 10 Folgen? Kein Problem! Durahan hat ein Monster im Eisblock, auch für Sie!

 

Billige Animationen und misslungene deutsche Übersetzungen gehören bei Animes aus dieser Zeit oft dazu und sind oft einfach durch Zeit- und Geldmangel entstanden. In gewisser Weise machen sie auch den Charme dieser Serien aus. Trotzdem will ich ein paar Details nicht unerwähnt lassen: Monster Rancher recycelt viele Animationen , was verständlich ist, gerade wenn es sich um eine besonders aufwendige Bilderfolge handelt. Natürlich wurde auch oft mit Standbildern gearbeitet, um Geld zu sparen. Aber es gibt eine besondere Animation, die in fast jeder Folge vorkommt und essentiell für die Geschichte ist. Jedes Mal wenn Holly den Mirakelstein einsetzt, zeigt ein Pfeil der Gruppe die Richtung, in die sie weitergehen muss. Ich habe bei 48 Folgen darauf geachtet und die Animation des Pfeils zeigt wirklich immer geradeaus. Der Stein hätte genauso gut aus dem Kaugummiautomat sein können. Eigentlich ist die Gruppe immer nur in die Richtung gelaufen, in die Holly gerade zufällig geguckt hat.

 

Der Mirakelstein – In Wirklichkeit ein Plastikspielzeug aus dem Happy Meal.

Auf den Mirakelstein ist verlass: Er weiß immer genau, was er will. GERADEAUS!

 

Die deutschen Synchronsprecher haben einen passablen Job abgeliefert. Sabine Bohlmann und Bernd Simon, die man sonst als Moe und Lisa aus den Simpsons kennt, haben passende Stimmen für Holly und den Hasen, Haki, gefunden. Auch Frank Muth, der normalerweise George Clooney seine Stimme leiht, hat mit Tigers Stimme einen guten Job gemacht. Auch erwähnen sollte man Gerhard Acktun, der bekannt ist als die Stimme von Mauzi aus Pokemon und hier ungefähr die Hälfte aller Nebencharaktere gesprochen hat.

Wovon ich jedoch keine Ahnung mehr hatte, war wie mies viele Dialoge geschrieben sind. Die bösen Truppen stellen sich gerne vor mit: „Ja! Wir sind die Bösen!“ Zwischen Haki und Tiger endet jeder Streit mit den Worten: „Ich fress‘ dich!“ „Versuch’s doch!“ und Genki wiederholt die Sprüche: „Volle Kanne!“, „Volle Pulle“ und „Mein Herz klopft schon wieder wie wild!“ so oft, dass es kein Spaß mehr ist. Ich glaube, ich käme mit all dem noch klar, wenn es nicht Dialoge gäbe, die völlig in sich zusammenbrechen.

Hier ein kleiner Auszug aus Folge 17.

Tiger: „Bist du n‘ Böser?“

Gegner: „Was wenn ich einer wäre?“

Tiger: „Das ist doch klar.“

Gegner: „Glaubst du, du schaffst mich?“

Ein weiterer Aspekt, an den ich mich von früher nicht mehr erinnern habe, betrifft das seltsame Design der Monster. Damals kamen mir die Monster nur cool und gefährlich vor. Zu einem Großteil sind es auch die Drachen und Steinriesen, die man aus anderen Fantasy-Welten gewohnt ist. Aber dann kommt Monster Rancher auf einmal mit klotzförmigen Raupen mit menschlichen Gesichtern um die Ecke! Je länger man sie, ansieht desto gruseliger werden sie.

 

Ob sie wohl so geboren oder erst später in Form gepresst werden?

Ob sie wohl so geboren oder erst später in Form gepresst werden?

 

Ein Monster, das sich später der Gruppe anschließt, heißt Pixie und scheint eine Art sexy Fledermausdämon. Ihr Fell wächst zufällig genau so um ihren Körper, dass es eine Art Bikini bildet. Also ist sie eigentlich die ganze Zeit über nackt. Die Vorstellung, dass sie vermutlich von irgendeinem lüsternen Genetiker so designt wurde, macht die Situation nicht weniger bizarr. Und dann ist da noch Suezo. Ich glaube keine Figur hätte Sigmund Freud so gut gefallen wie Suezo. Auf die Ähnlichkeit zu einem riesigen Spermium muss ich wohl nicht weiter eingehen. Aber tolle Idee, ihm sonst nur Auge und Mund zu zeichnen und seine meist benutzte Attacke „Schwanzhieb“ zu nennen. Ach ja, und dann ist er auch noch der einzige Lustmolch der Gruppe. In einer Szene träumt er, weibliche Versionen von ihm selbst würden sich im Häschenkostüm um ihn scharen. Ich hätte gut ohne dieses Bild in meinem Kopf leben können.

 

Wer hat sich hingesetzt um das zu zeichnen und dachte dann, dass das eine gute Idee war?

Wer hat sich hingesetzt, das gezeichnet und dachte dann, dass das eine gute Idee war?

 

Pazifismus & Wurzelsteine

Monster Rancher ist mehr als ein hirnloser Anime, in dem es ums Kämpfen geht. Mit Tod und Gewalt geht die Serie überraschend souverän um. Es hat mich überrascht, wie pazifistisch Monster Rancher eigentlich ist. Die Gruppe fängt so gut wie nie von sich aus einen Kampf an. Viel öfter bestehen Folgen zu mehr als der Hälfte allein daraus wie Genki und seine Freunde vor der Gefahr wegrennen. Die meisten bösen Handlanger werden schließlich doch aus Notwehr bekämpft, oft genug aber versucht Genki mit den Bösen zu reden. Selbst wenn es sich um einen Gift und Galle spuckenden Drachen handelt, der in seiner Festung des Bösen residiert. Die ganze verwirrende Hintergrundgeschichte ist im Grunde ein großes Antikriegs-Statement.

Der Tod hat bei Monster Rancher immer etwas schockierend Endgültiges. Obwohl immer wieder an das Heilsversprechen des Phönix erinnert wird, der alle Monster wiederbeleben soll, bleiben besiegte Monster bis dahin tot. Da bis zum Schluss nicht klar ist, ob der Phönix überhaupt existiert, nimmt er dem Tod kaum etwas von seiner Schwere. Eine der stärksten Episoden erzählt die Geschichte von Golem. Er wacht schon seit Jahrhunderten über die Gräber seiner im Krieg gefallenen Freunde. Die Folge zeigt wie er das Leben darum nur umso mehr zu schätzen gelernt hat. Tote Monster verwandeln sich in von Wurzeln umschlungene Geheimnissteine. Eine normale Erweckung wird dadurch unmöglich. Allein das Bild dieser verwurzelten Steine besitzt genug Kraft, um das Gewicht des Todes greifbar zu machen ohne ihn explizit zeigen zu müssen.

 

Einmal verwurzelt, immer verwurzelt.

Einmal verwurzelt, immer verwurzelt.

Lektionen aus der Fantasiewelt

Nach seinem letzten Kampf wird Genki zurück in eine verregnete Gasse der echten Welt geschleudert. So lässt sich Monster Rancher als eine Metapher auf das Erwachsenwerden lesen. Genkis Reise durch die Monster Rancher Welt konfrontierte ihn auf spielerische Art mit moralischen Fragen, Tod und Vergänglichkeit. Die Kindheit bildet eine Art sichere Umgebung, in der es noch einfache Antworten auf schwierige Fragen gibt und in der kein Fehler nicht wiedergutgemacht werden kann. Doch so wie jede Kindheit endet, muss auch Genki in die echte Welt zurückkehren. Die Lektionen aus seiner Fantasiewelt werden ihn weiter begleiten, auch wenn die Antworten auf die schweren Fragen des Lebens nun nicht mehr so einfach sein werden. Deshalb funktioniert die Serie gleichzeitig als eine Metapher auf die Macht der Fantasie. Es ist egal, ob es Genkis Freunde nicht mehr gibt oder ob es sie nie gegeben hat. Genkis Erfahrung war echt und wird ihn weiter begleiten.

Was begleitet mich nun am Ende von Monster Rancher? Für einen Anime, der eigentlich nur Videospiele bewerben sollte, war er erstaunlich ambitioniert. Mit der Hintergrundgeschichte des antiken Monsterweltkriegs allein hätte man noch eine zweite Serie füllen können (die existierende zweite Staffel setzt die Geschichte stattdessen auf Anfang zurück). Es verwundert mich jetzt nicht mehr, dass ich mich nur nach daran erinnert habe wie erwachsen und tiefgründig die Serie gewesen wäre. Wenn es darauf ankam, nahm die Serie Themen wie Gewalt und Tod ernst. Trotzdem ist es heute schwer die guten Ideen hinter Monster Rancher zu genießen. Insgesamt ist die Serie zu sehr auf ihren Plot fokussiert und lässt dabei jede Form von Charakterentwicklung außen vor. Die eigenwillige Figurengestaltung hat durchaus seinen Charme. Die schlechte Qualität der Dialoge dagegen ging mir leider schnell nur noch auf die Nerven. So verlangt Monster Rancher einem heute eine gewisse Frusttoleranz ab. Dennoch ist Monster Rancher eine Serie, die sich ihren eigenen verschrobenen Platz in meiner Erinnerung verdient hat – inklusive des deutschen Titelliedes, das ich einfach nicht mehr aus dem Kopf bekomme.

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One Comment

  1. Miriam

    May 31, 2017 at 11:51 pm

    Der Beitrag hat mich so einige Male zum Schmunzeln gebracht. Definitiv lesenswert.
    Vielen Dank indes für den Ohrwurm. Habe das Lied immer vollen Herzens mitgesungen.:P

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