Anime Berlin: 11 Tage lang Anime im Kino! Von Biene Maja bis Hentai

Anime Berlin: 11 Tage lang Anime im Kino! Von Biene Maja bis Hentai

Das Festival ANIME BERLIN im Babylon Kino zeigt ab Donnerstag, 22. Juni, bis zum 2. Juli über 60 Anime-Filme. Wir haben für euch die Perlen aus dem Programm rausgesucht, das von GHOST IN THE SHELL über MIND GAME bis hin zur BIENE MAJA  und einer Hentai-Nacht reicht. Regisseur Michael Arias (TEKKONKINKREET) ist der Ehrengast des Festivals.

Zum zweiten Mal kooperien das Babylin Kino und der Anime-Verleih Kazé, um in der Hauptstadt Animes auch wieder auf der großen Leinwand zu zeigen. Im Gegensatz zum letzten Jahr, in dem die Werke von Mamoru Hosoda im Vordergrund standen – garniert mit dem aktuellen Kazé-Programm –  haben die Veranstalter ein deutlich vielfältigeres Programm zusammengestellt.

Eine Art Dreh- und Angelpunkt des Festivals ist Regisseur Michael Arias, der 2006 als erster Nicht-Japaner Regie bei einem Anime-Spielfilm führte, – nämlich bei  Tekkonkinkreet, der auch zu sehen ist.  Der Film ist die Adaption eines Mangas von Taiyo Matsumoto (Ping Pong, Go Go Monster). Das Festival eröffnet mit seinem bislang letzten Anime-Film Harmony, der auf der letztjährigen Nippon Connection in Frankfurt am Main seine Deutschland-Premiere feierte. Der Film basiert auf dem Science-Fiction-Roman des verstorbenen japanischen Autors Project Itoh. Die Szenarien in itohs Büchern werden von der Frage “Was wäre wenn…”bestimmt. Harmony stellt die Frage: was wäre, wenn die Menschen absolute Gesundheit im Tausch für absolute Überwachung erhielten?  Zwei weitere Itoh–Romanverfilmungen sind Teil des Programms: Empire of Corpses (was wäre, wenn Zombies als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden könnten?) und Genocidal Organ. Vom Zombie-Steampunk-Spektakel müssen wir abraten – die Videospielästhetik und -Erzählweise ballert das letzte bisschen Gesellschaftskritik weg –, Genocidal Organ haben wir noch nicht gesehen.

Brians Kritik zu Harmony sowie unser Gespräch mit Michael Arias über Harmony, seinen Werdegang und die Frage, warum er keine Lust hatte, bei Genocidal Organ Regie zu führen, findet ihr hier:

Das Ghost in the Shell-Special vereint beide von Mamoru Oshii verantworteten Anime-Adaptionen  des Mangas von Masamune Shirow. Besonders Ghost in the Shell 2: Innocence dürfte man so schnell nicht wieder auf der großen Leinwand zu sehen bekommen. Eingeleitet wird die Sektion mit einem Vortrag von Stefan Riekeles, der bereits zwei Ausstellungen zum Thema Anime kuratiert hat. Wer dann noch nicht genug hat,kann die Realverfilmung von Rupert Sanders nachholen, die im Frühling diesen Jahres an den Kinokassen leider durchfiel – zu Unrecht, wie die Redaktion befindet.

Eine Werkschau widmet sich dieses Jahr dem Lieblingsautodidakten und ausgewiesenem Sentimentalisten der Animewelt, Makoto Shinkai, der letztes Jahr mit Your Name seinen bislang größten Erfolg landete.

Besonders gefreut haben wir uns, dass Masaaki Yuasas erster Spielfilm Mind Game aus dem Jahr 2004 gezeigt wird (Samstag, 24.06., 23:45 Uhr und Mittwoch, 28.06, um 22 Uhr). Gerade hat Yuasa in Frankreich den Hauptpreis für seinen neuen Spielfilm Lu Over the Wall auf dem Animationsfestival in Annecy gewonnen. Umso mehr ein schöner Zufall, dass sein Erstlingswerk – wohl über die Studio 4°C-Verbindung zu M. Arias – den Weg ins Programm gefunden hat. Der Film ist auch 13 Jahre später noch eine Wucht in jeder Hinsicht!

Mit In this Corner of the World von Sunao Katabuchi und A Silent Voice von Naoko Yamada finden sich zwei aktuelle hochkarätige Produktionen im Programm. Wir konnten beide Filme bereits auf der Nippon Connection sichten und wir halten die Daumen hoch! Katabuchis Film hat gerade den Jury-Preis in Annecy gewonnen. Auf der Nippon Connection musste der Film sich den Vorwurf der Geschichtsverklärung gefallen lassen. Warum wir das anders sehen, erfahrt ihr in unserer Kurzkritik. Kein “echter” Anime, aber trotzdem mit Ghibli-Tatkraft geschaffen: Der wortlose Film Die Rote Schildkröte vom belgischen Regisseur Michael Dudok de Wit, der angeblich Miyazakis Lust befeuert haben soll, das Rentner-Dasein einmal mehr an den Nagel zu hängen.

Die Retrospektive zeigt tatsächlich alte TV-Klassiker wie Wickie und die starken Männer, Biene Maja und Nils Holgersson – alles gute Gründe, um unseren Redakteur Brian an den Kinosessel zu fesseln. Besonders hinweisen möchten wir aber auf Momotaro: Umi no shimpei, ein Spätprodukt der japanischen Kriegspropaganda, das sein Zielpublikum kurz vor Kriegsende im April 1945 nicht mehr fand. Der Film bleibt ein ambivalentes Zeugnis, denn einerseits vermittelt er einen kindlich, freundlich daherkommenden Nationalismus, andererseits zeugt er von ungeheurem Schaffenswillen auf Seiten der Zeichner.

Was Micha zur Wiederaufführung von Akira sagt, spricht aus seiner Manga-Rezension, die sich seit Start unseres Blogs in den Top 3 unserer meistgelesenen Artikel hält. Unbedingt wiedersehen wollen wir auch Miyazakis Lupin III-Umsetzung Das Schloss des Cagliostro. Mein Nachbar Totoro und Chihiros Reise ins Zauberland sind auch nie verkehrt. Wieso nicht auch Tezukas Metropolis unter der Umsetzung von Studio Madhouse-Ikone Rintaro? Oder einfach nochmal den Cowboy Bebop-Film genießen? Oder – das ist kein Witz – eine ganze Nacht mit Hentai OVAs (u.a. Bible Black & Discipline)?! Der Eintritt zur letztgenannten Veranstaltung ist kostenlos.

Fast alle Filme laufen einmal in der sychronisierten, einmal in der ursprünglichen Sprachfassung mit Untertiteln. Das komplette Programm ist auf der Seite des Babylon Kinos verfügbar. Ein Flyer schafft noch mehr Übersicht, wann was läuft. Eine weitere schöne Einführung ins Programm findet sich auf Okaeri.

Wir freuen uns schon darauf, uns ins ebenso dichte wie vielfältige Programm zu stürzen und euch mit unseren neuen Tanuki-Postkarten zu beglücken!

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